Aid by Trade Foundation Partner entlang der textilen Lieferkette zur aktuellen COVID-19 Pandemie

17.04.2020

Die Corona-Pandemie hat die ganze Welt fest im Griff und ist für uns alle täglich eine unglaubliche Herausforderung. Wir müssen uns fast stündlich auf schwierige und unvorhergesehene Situationen einstellen. Auch für die globale Baumwoll-und Textilproduktion bleibt die Covid-19 Pandemie nicht ohne Folgen und stellt die gesamte Branche vor nie dagewesene Herausforderungen. Auf dieser Seite möchten wir Sie sehr gerne darüber informieren, wie unsere Partner aus den Baumwollproduktionsländern in Afrika sowie und aus der globalen Textilbranche mit der Situation umgehen und wie unsere Stakeholder die Situation einschätzen.


Mit Cotton made in Africa verbindet die Welthungerhilfe eine jahrelange Partnerschaft. Gemeinsam konnten bereits Projekte in den afrikanischen Baumwollanbaugebieten angestoßen werden – wie ein Analphabetisierungsprojekt für Erwachsene in Burkina Faso oder ein Wasser- und Sanitätsprojekt in Simbabwe. Dr. Iris Schöniger ist zudem langjähriges Mitglied des Cotton made in Africa Beirats. In ihrer Rolle als Beirätin zählt sie zum Gremium der Experten und ist wichtiger Diskussionspartner und Ratgeber der Geschäftsführung. Wir hatten die Chance mit ihr über die aktuelle Krise zu sprechen und von ihr zu erfahren, welche speziellen Herausforderungen sie auf Afrika zukommen sieht:

„In ärmeren Ländern Afrikas und Asiens ist das Coronavirus nicht nur eine Gefahr für die Gesundheit. Können Felder nicht mehr bestellt werden, kommt es zu Versorgungsengpässen, Lieferketten werden unterbrochen. Wenn die globale Wirtschaft infolge der Corona-Krise in eine Rezession rutscht, hat das auch verheerende Folgen für die Ärmsten. Schon bei einem Prozent weniger Wirtschaftswachstum könnte die Zahl der Armen und Hungernden um zwei Prozent steigen. Die im Zuge der COVID-19 Pandemie verhängten Maßnahmen verschlimmern die bereits schwierige Ernährungslage. Ärmere Länder brauchen Soforthilfe, um auf die aktuelle Krise und die Vernichtung von Existenzen zu reagieren. Perspektivisch geht es um den Schutz vor sozialen Risiken und eine Trendwende hin zu regionaleren und gerechteren Ernährungssystemen. Wir müssen jetzt die besonders gefährdeten Menschen unterstützen – das ist eine Frage der grundlegenden menschlichen Solidarität.“

Dr. Iris Schöninger,
Politische Kommunikation & Grundsatz / Political Communication & Fundamental Principles
Deutsche Welthungerhilfe e. V.
Aus Deutschland
Mitglied des Cotton made in Africa Advisory Boards


Minhazul Reaz, Direktor der CmiA registrierten Spinnerei Multimode Resource Ltd aus Bangladesch, verarbeitet CmiA Baumwolle zu Garnen bevor aus ihnen Stoffe und Textilien entstehen. Auch ihn trifft die Covid-19 Pandemie hart. Wir hatten die Chance mit ihm darüber zu sprechen, welche Auswirkungen die aktuelle Krise für ihn, sein Land und sein Geschäft hat:

„Es ist natürlich eine sehr schwierige Situation weltweit, aber der Welleneffekt dieser Situation hat die Bekleidungsindustrie in Bangladesch ziemlich hart getroffen. Bislang wurde die Produktion im Wert von mindestens 1,48 Milliarden Dollar durch den Käufer verzögert, was Textil- und Bekleidungshersteller in Schwierigkeiten gebracht hat. Es gibt keine andere Möglichkeit, als die Fabriken für ein paar Tage zu schließen, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Die Regierung von Bangladesch hatte alle Institutionen für ca. 10 Tage gesperrt. Angesichts des sozialen und kulturellen Lebens im Land ist „Social Distancing“ jedoch nicht wirklich etwas, das die Bangladeschi kennen und dem sie sich nur schwer anpassen können. Der Teil der Bevölkerung, der weniger finanzielle Rücklagen hat, z.B. die Tagelöhner, ist von dieser Pandemie in Bangladesch ziemlich stark betroffen. Als Spinnerei sehen wir einen starken Rückgang der Garnpreise und einen massiven Rückgang der Baumwollpreise. Dieser Rückgang der Baumwollpreise bringt die Spinnereien in eine schwierige Situation, da viele Spinnerinnen aus Angst vor einer verspäteten Auslieferung weit im Voraus gekauft hatten. Es ist sehr schwer vorherzusagen, was passieren wird, wenn diese Pandemie vorbei ist, aber eines ist sicher, wir müssen als Industrie auf eine Erholung nicht nur in Bangladesch, sondern weltweit hinarbeiten. Bleiben Sie sicher und bleiben Sie gesund.“

Minhazul Reaz
Direktor, Multimode Resource Ltd.
Aus Bangladesch