Die landwirtschaftlichen Schulungen

Der Baumwollanbau in Afrika liegt in der Hand von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, die ihre relativ kleinen Felder überwiegend händisch bearbeiten. In den landwirtschaftlichen Schulungen lernen sie, wie sie ihr Land sowohl effizient als auch umweltschonend bewirtschaften können. Wichtige Aspekte sind die Vermittlung guter landwirtschaftlicher Praktiken, der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit – beispielsweise durch den Anbau in Fruchtfolge – oder auch die Nutzung von Bio-Pestiziden, die die Bauern und Bäuerinnen selbst herstellen können. Eine große Herausforderung im kleinbäuerlichen Baumwollanbau stellen außerdem die mangelnden Kenntnisse zum sachgemäßen Umgang mit Pestiziden dar. Die Präparate werden häufig falsch angewendet, unsachgemäß gelagert und entsorgt. Das Resultat: Gefahren für Menschen und Umwelt.

Aus diesem Grund unterliegt die Verwendung von Pestiziden bei Cotton made in Africa strengen Auflagen: Bei CmiA sind alle Pestizide verboten, die auf den Listen des Rotterdamer Übereinkommens über den Handel mit gefährlichen Chemikalien sowie Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln1 (PIC Convention) oder des Stockholmer Übereinkommens über persistente organische Schadstoffe2 (POP Convention) stehen. Ebenfalls verboten sind Pestizide, die durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als extrem oder hochgefährlich eingestuft werden3 (WHO Klasse Ia/b).

Anzahl der Teilnehmer an Schulungen nach Themen:

(Stand 2020)

SCHULUNGEN IN GUTEN LANDWIRTSCHAFTLICHEN GRUNDPRAKTIKEN
TECHNIKEN ZUR VERBESSERUNG DER
BODENFRUCHTBARKEIT
INTEGRIERTE PRODUKTION UND
SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNG
ORDNUNGSGEMÄßE VERWENDUNG UND
LAGERUNG VON PESTIZIDEN
TRAININGS ZU KINDERARBEIT, GLEICHSTELLUNG
ZWISCHEN MANN UND FRAU SOWIE HIV
BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHE SCHULUNGEN
SCHULUNGEN ZUR QUALITÄTSSICHER
UNG BEI UND NACH DER ERNTE
DIVERSE WEITERE TRAININGSASPEKTE

Erstes Beispiel für klugen Anbau:
Gute Fachliche Praktiken (Good Agricultural Practices, GAP)

Um Baumwollbauern und Baumwollbäuerinnen auf einfache und verständliche Weise gute landwirtschaftliche Praktiken nahezubringen, wird in den Schulungen beispielsweise mit dem sogenannten Fünf-Finger-Prinzip gearbeitet:

Rechtzeitige und ordnungsgemäße Feldbearbeitung

Im ersten Schritt lernen die Kleinbauern und Kleinbäuerinnen, dass sie ihr Feld zeitgerecht und sachgemäß vorbereiten müssen. Das heißt beispielsweise, dass unmittelbar nach der Baumwollernte das Feld für die kommende Saison vorbereitet werden soll; auch darf auf derselben Parzelle nicht fortwährend Baumwolle angebaut werden. Für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit muss in jeder Saison eine andere Sorte von Feldfrüchten gepflanzt werden (Fruchtwechsel). Um die Erosion nährstoffreichen Bodens durch das Pflügen der Felder möglichst zu minimieren, werden Kleinbauern und Kleinbäuerinnen außerdem darin geschult, den Boden nach der Ernte nur minimal zu bearbeiten.

Frühzeitige Aussaat

Mit Beginn des wiederkehrenden, regelmäßigen Regens soll die Pflanzung vorgenommen werden. Für eine optimale Nutzung der vorhandenen Ackerfläche werden mithilfe einer Schnur Reihen gezogen, an denen sich die Bauern und Bäuerinnen beim Pflanzen orientieren können.

Angemessene Pflanzenpopulation

Auf dem Feld sollen weder zu wenige noch zu viele Baumwollsamen gesät werden, um eine optimale Dichte der Pflanzen zu erreichen. Ist dies nicht der Fall, muss ausgedünnt oder nachgepflanzt werden.

Kontinuierliches Jäten des Unkrauts

In den folgenden Monaten des Anbaukalenders muss das Unkraut rechtzeitig und kontinuierlich gejätet werden.

Kontrolle des Schädlingsbefalls

Schließlich stehen die Kontrolle des Schädlingsbefalls und der bedarfsorientierte sowie sachgemäße Einsatz erlaubter Pestizide auf dem Plan, um die Ernte ab einer wirtschaftlich sinnvollen Grenze vor Schädlingen zu schützen.

Zweites Beispiel für klugen Anbau:
Integrierte Produktion und Schädlingsbekämpfung (IPPM)

Die Integrierte Produktion und Schädlingsbekämpfung (Integrated Production and Pest Management, IPPM) spielen in den Schulungen der Kleinbauern und Kleinbäuerinnen eine wichtige Rolle.

Beispiele für IPPM-Maßnahmen

  • Biologische Saatgutbehandlung:

    Noch bevor die Baumwollsamen gesät werden, können sie beispielsweise mit Kuhdung bearbeitet werden, denn dieser enthält unter anderem zahlreiche Nährstoffe, die die Keimung fördern und der jungen Baumwollpflanze optimale Wachstumsbedingungen bieten.

  • Einsatz von Molasse-Fallen:

    In der Anfangsphase der Anbausaison stellen die Baumwollbauern und Baumwollbäuerinnen Molasse-Fallen auf. Diee Behälter – oft handelt es sich um leere Fünf-Liter-Speiseölkanister – werden mit einer Wasser-Molasse-Mischung gefüllt und an stärkeren Ästen festgebunden an mehreren Stellen im Feld platziert. Die Molasse, ein Nebenprodukt der Zuckerproduktion, lockt Baumwollkapselbohrer-Motten an. Die gefangenen Motten können keine Eier mehr ablegen, und damit wird der Schädlingsdruck, der von den Raupen des Baumwollkapselbohrers ausgeht, von Beginn an reduziert.

  • Pflanzenbasierte Schädlingsbekämpfung:

    Um Baumwollpflanzen vor Schädlingen zu schützen, werden bei CmiA nicht nur chemisch-synthetische Pestizide eingesetzt. Auch lokal verfügbare Pflanzen, die bestimmten Schädlingen Einhalt gebieten können, kommen zur Anwendung, beispielsweise Niemblätter und Stechäpfel (Solanum). Niemblätter werden in der Umgebung gepflückt, frisch zerstampft und ziehen für mindestens einen Tag in Wasser. Der daraus entstandene Sud wird anschließend gefiltert und mit Wasser verdünnt direkt auf die befallenen Baumwollpflanzen gespritzt. Stechäpfel hingegen werden in der Umgebung gesammelt, sind allerdings erst nach der Baumwollsaison reif. Daher werden sie getrocknet und später gemahlen. Solanum-Pulver wird bei Bedarf mit Wasser gemischt und auf die Baumwollfelder gespritzt.

  • Natürlicher Dünger:

    Um die Baumwollpflanzen mit ausreichend Nährstoffen zu versorgen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die vor Ort vorhandenen Ressourcen zu nutzen, die in Trainings thematisiert werden: das Anlegen von Komposthaufen, das Nutzen verdünnten Kuh-Urins oder das Herstellen von Jauchen aus Dung und Pflanzenmaterial.

  • Der Nutzen der natürlichen Pflanzenschutz- und Düngemittel

    Bio-Pestizide und natürliche Düngemittel sind Beispiele für ökologisch wie auch ökonomisch sinnvolle Elemente nachhaltiger Landwirtschaft. Die eingesetzten Bio-Pestizide und Bio-Düngemittel bieten nicht nur eine umweltschonende Alternative; überdies sind die dafür benötigten Zutaten überall rund um die Dörfer und Baumwollfelder kostenlos verfügbar und können von den Kleinbauern und Kleinbäuerinnen vor Ort mit einfachen Maschinen und im Haushalt verfügbaren Utensilien weiterverarbeitet werden. So können auch die Ausgaben für chemische Pestizide und synthetische Düngemittel reduziert werden. Ein Gewinn für Mensch und Natur.

Drittes Beispiel für klugen Anbau: Schulungen zum sicheren Umgang mit Pestiziden

Für eine sichere Anwendung der erlaubten Pestizide sind Aspekte wie korrektes Ausbringen der Pestizide, Tragen von Schutzkleidung, fachgerechte Lagerung und Entsorgung der leeren Behälter wichtige Bestandteile der Trainingsmaßnahmen. Lesen Sie unter Prinzipien und Kriterien mehr über den Umgang von Pestiziden.

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MIRIAM MUHINDO
Baumwollbäuerin aus
Uganda

„Vor CmiA habe ich die Baumwolle willkürlich angepflanzt, aber jetzt habe ich Kenntnisse über gute landwirtschaftliche Praktiken.“

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BIIRA LAWUNIYEDA
Kleinbäuerin aus
Uganda

“Das Schulungsprogramm von CmiA hat mir geholfen, meine Erträge zu steigern.“

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PAUL UND SABINA 
mit ihrem Sohn Johann aus
Bariadi im ländlichen Tansania

„Zu Beginn haben wir uns gefragt, ob [biologische Pestizide] wirklich funktionieren. Aber jetzt sind wir sehr zufrieden damit. Wir konnten mit Hilfe der Bio-Pestizide unsere Baumwolle besser vor Schädlingen schützen und so am Ende der Saison mehr Baumwolle ernten als im Jahr zuvor. Wir möchten, dass unsere Kinder die Chance bekommen mehr zu lernen, als wir es konnten. Unser Wunsch für unseren Sohn Johann wäre es, einmal Lehrer zu werden.“

Der landwirtschaftliche Betrieb als Unternehmen

Betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse

Die Cotton made in Africa-zertifizierten Baumwollgesellschaften vermitteln Kleinbauern und Kleinbäuerinnen zudem einfache betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse, die ihnen das Führen ihres landwirtschaftlichen Kleinbetriebs erleichtern sollen.
Wie hoch werden voraussichtlich die Ausgaben für Betriebsmittel sein, und mit welchem Ertrag und Einkommen können wir rechnen? Nützt uns ein Kredit, oder übersteigt er unsere Möglichkeiten? Wie können wir uns das Schulgeld für unsere Kinder leisten? Wie planen wir unser Budget für den Haushalt und die Landwirtschaft?
Die eigens entwickelten Lernmaterialien in lokalen Sprachen für die betriebswirtschaftlichen Schulungen sollen den Bauern und Bäuerinnen eine Chance bieten, ihren Betrieb unternehmerisch zu führen und ihre Produktivität zu erhöhen.

Downloads

Willkommen im Downloadbereich: Hier finden Sie umfassendere Informationen zum Cotton made in Africa-Trainingsmaterial:

Trainingsmaterial
Trainingsmaterial „CmiA gegen Kinderarbeit“ – Amharisch
Trainingsmaterial „CmiA gegen Kinderarbeit“ – Chichewa
Trainingsmaterial „CmiA gegen Kinderarbeit“ – Englisch
Trainingsmaterial „CmiA gegen Kinderarbeit“ – Englisch/ Ghana
Trainingsmaterial „CmiA gegen Kinderarbeit“ – Französisch
Trainingsmaterial „CmiA gegen Kinderarbeit“ – Portugiesisch
Trainingsmaterial „CmiA gegen Kinderarbeit“ – Suaheli
Picture Block: Integrated Production and Pest Management – Englisch
Picture Block: Integrated Production and Pest Management – Suaheli
Compaci Picture Block: Good practices of Gender – Englisch
Picture Block: Good Agricultural Practices – Englisch