CmiA – Vertikale Integration in die textile Kette vorantreiben

22.10.2015

Nach den Ergebnissen des African Economic Outlook 2015 beschäftigt die Landwirtschaft inklusive der Baumwollwirtschaft 60 Prozent der afrikanischen Bevölkerung. Der Sektor erzielt etwa 25 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts. Er lebt zum Großteil vom Export. Das afrikanische Baumwollan-gebot wächst derzeit, obwohl die Gewinne aus dem Baumwollbau stagnieren und die Erträge unterdurchschnittlich sind. Derzeit verharren die Weltmarktpreise auf ihrem langjährigen Durchschnittsniveau. Wir diskutierten darüber mit Christian Barthel in seiner Funktion als Director Supply Chain Management der Cotton made in Africa (CmiA) Initiative.

COTTON REPORT: HERR BARTHEL, WAS IST DIE GRÖßTE HERAUSFORDERUNG FÜR AFRIKA MIT BLICK AUF DIE KOMMENDEN JAHRE?

Christian Barthel: Die Bevölkerung Afrikas verdreifacht sich bis 2050. Die Weiterentwicklung durch Modernisierung der lokalen Volkswirtschaften inklusive des Agrarsektors ist wichtig. Afrika exportiert einen Großteil seiner Rohstoffe. Dies ist auch bei Baumwolle der Fall. Eine wesentliche Aufgabe besteht darin, in Baumwollanbauländern einen Prozess der Industrialisierung in Richtung nachgelagerte Fertigungsstufen wie Spinnereien und Webereien oder auch der Konfektion voranzutreiben. Mehr Fabrikationsstätten in der Nähe des Baumwollanbaus würden zu mehr Beschäftigungsmöglichkeiten und Einnahmequellen für die lokale Bevölkerung führen.

IN AFRIKA SIND DIE ERZIELTEN ERTRÄGE PRO BAUMWOLLANBAUFLÄCHE NACH WIE VOR VERGLEICHSWEISE GERING. WAS HABEN SIE ERREICHT, UM CMIA-BAUMWOLLE PROFITABLER ZU MACHEN?
Erste Untersuchungen zeigen, dass die Bauern, die ihre Baumwolle nach den CmiA Kriterien anbauen, rund 20 Prozent höhere Erträge erwirtschaften. Hinzu kommt, dass CmiA-Baumwolle eine rechtzeitige und transparente Bezahlung, Vorfinanzierungen von Inputs sowie faire Arbeitsbedingungen in den Entkörnungsanlagen sicherstellt. Wir arbeiten mit unseren Projekten inzwischen in 10 Ländern Afrikas in der Region Subsahara. Der Marktanteil der nach CmiA-Standard verifizierten Baumwolle dürfte bei knapp 25 Prozent des Angebots aus Subsahara-Afrika liegen. Durch die lizenzierten CmiA-Produkte haben wir von 2008 bis Ende 2015 Lizenzeinnahmen von rund 6 Millionen Euro erwirtschaftet und zu Gunsten der afrikanischen Bauernfamilien investiert.

WIE STELLEN SIE DAS SICHER?

Dies erreichen wir zum einen durch den Aufbau einer Allianz aus Textilunternehmen, die CmiA-Baumwolle in ihre Ketten integrieren und dadurch feste und langfristig angelegte Handelsbeziehungen zu Afrika aufbauen; zum anderen durch intensive und dauerhafte Schulungsarbeit beim Baumwollanbau oder in betriebswirtschaftlichen Kenntnissen, die ihnen helfen Einnahmen und Ausgaben zu kontrollieren. Darüber hinaus helfen moderne, effiziente und zugleich umweltschonende Anbaumethoden, ihre Ausgaben zu reduzieren und dadurch Einnahmen zu steigern. Beispielsweise setzen wir auf Maßnahmen eines wachsamen, vorbeugenden, aber auch aktiv eingreifenden Pflanzenschutzes. Kleinbauern lernen Schädlinge von Nützlingen zu unterscheiden und verstärkt biologische Pflanzenschutzmittel wie bspw. Molassefallen zur Schädlingsbekämpfung einzusetzen; Pestizide der Rotterdam Konvention, Stockholm Liste, WHO Klassen 1a und b sind bei CmiA ganz verboten.

BEI DER VERMARKTUNG SPIELT DIE GLEICHBLEIBENDE QUALITÄT DER BAUMWOLLE EINE WESENTLICH ROLLE. WIE TRAGEN SIE IM ANBAU DAZU BEI?

CmiA wird auf Verbraucherebene als Nachhaltigkeitslabel, aber im B2B-Markt als Produkt mit einer bestimmten Qualität wahrgenommen. In der Vermarktung ist klar, dass wir handgepflückte Baumwolle anbieten. Sie hat eine Stapellänge zwischen 27 und 29 Millimeter. Wir bieten damit eine Qualität, die sich sehr gut für eine Anwendung im Massenmarkt eignet. Weil es sich um von Hand gepflückte Baumwolle handelt, empfehlen wir den Spinnereien vor Beginn ihrer Weiterverarbeitung auf sorgfältige Reinigung zu achten. Wir tragen parallel mit unseren Schulungen im Anbau dazu bei, dass eine Kontamination durch Fremdstoffe verringert wird. Zudem laufen Projekte einer teilweisen Mechanisierung bei der Ernte.

WARUM VERZICHTEN SIE AUF DEN EINSATZ VON GMO-SAATGUT?

Zunächst sind wir im Absatz der Baumwolle eine europäisch geprägte Initiative und für den europäischen Konsumenten sind Nachhaltigkeit und Gentechnik unvereinbare Gegensätze. Auch viele unserer Nachfragepartner sehen das Thema sehr kritisch. Noch ist zu wenig darüber bekannt, welche Langzeitwirkungen der Einsatz von GM-Saatgut mit sich bringt und ob die Bauern daraus auch langfristig ökonomische Vorteile haben. Wir haben uns deshalb entschlossen, einen eigenen Weg zu gehen und mit anderen Methoden eine Steigerung der Qualität und der wirtschaftlichen Erträge zu erreichen.

WARUM IST DER AUFBAU EINER TEXTILINDUSTRIE FÜR BAUMWOLLE IN AFRIKA WICHTIG?

Es ist wichtig, einen Teil der in Afrika produzierten Baumwolle auch in den Anbauländern selbst weiterzuverarbeiten, sodass auf dem Kontinent eine verbesserte Wertschöpfung, die vom Rohstoff bis zum Endprodukt reicht, geschaffen wird. Dies führt sowohl zu einem Wachstum des Inlandmarktes wie auch des Exports. Afrikanische Produkte könnten ihren Anteil in internationalen Beschaffungsketten aufgrund attraktiver Herstellungskosten steigern. Dies ist vor allem in der Subsahara-Region wichtig. Erste Initiativen dazu sind zu erkennen. Mit Cotton made in Africa kann zudem lokal und leicht zugänglich eine nachhaltige Grundlage für ein komplett afrikanisches Produkt geschaffen werden. Die aktuelle Herausforderung liegt darin, die dazu benötigte Infrastruktur aufzubauen. Der Aufbau wird noch etwa drei bis fünf Jahre dauern.

WAS LEISTET ABTF IM BEREICH SUPPLY CHAIN MANAGEMENT?

Wir beraten Partner bei der kostenneutralen Integration von CmiA-Baumwolle in ihre Beschaffungswege und den optimalen Einsatz in Ihren Produkten. Dies geschieht z. B. in Form von Trainings für die Mitarbeiter in Beschaffungsabteilungen und in den Importbüros der Organisationen im Ausland. Hinzu kommen Trainings für Spinnereien, Stoffhändler und Textil- und Bekleidungshersteller. Sie werden in relevanten Beschaffungsmärkten durchgeführt. Somit unterstützen wir Unternehmen operativ dabei, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Dies hilft Lizenzpartnern erheblich bei der Einsparung zusätzlicher Kosten. Eine aufwändige Zertifizierung der gesamten textilen Kette fällt bei Cotton made in Africa nicht an. Wenn Unternehmen es wünschen, kann CmiA volle Rückverfolgbarkeit in der textilen Kette bis hin zum Baumwollballen liefern. Um das Thema nachhaltige Rohstoffe und Lieferketten weiter voranzutreiben sind wir aktives Mitglied des deutschen Textilbündnisses. Cotton made in Africa ist darin als Standard anerkannt

Mit Dank für die zur Verfügungsstellung an die Bremer Baumwollbörse.

Quelle: Bremen Cotton Report Nr. 41/42 – 22. Oktober