Interview mit Torsten Stau

10.01.2020

„Wir brauchen einen Schulterschluss“

Torsten Stau über Mitarbeiterkleidung, Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft und CmiA im Massenmarkt

Herr Stau, Sie sind bei der REWE Group für viele Bereiche zuständig. Was machen Sie genau?

Ich verantworte in der REWE Group die Bereiche Einkauf und Category Management Non Food, Investitions- und Verbrauchsgüter sowie PENNY Online. Darüber hinaus bin ich Geschäftsführer der HLS GmbH, das steht für Handel-und Lager-Service. Und schließlich Non Executive Director der REWE Far East Ltd., die Beschaffungsorganisation der REWE Group, die für die REWE Group Güter vom asiatischen Markt beschafft.

Die REWE Group ist langjähriger Partner von CmiA. Sie hat dabei ihre Nachfrage an CmiA-Baumwolle  kontinuierlich erhöht. Wie lassen sich Wirtschaft und Nachhaltigkeit kombinieren?

Zum Start der Zusammenarbeit vor zehn Jahren betrug unser Anteil an nachhaltigerer Baumwolle 15 Prozent. Heute über 70 Prozent. Mit dem Ziel, bis 2025 auf 100 Prozent für alle textilen Eigenmarkenprodukte umzustellen. Um dieses Ziel zu erreichen, setzen wir auf den Rohstoff Cotton made in Africa, der sowohl ökologische als auch soziale Verbesserungen am Beginn der Lieferkette bewirkt und so dazu beiträgt, dass wir unserer Verantwortung in der Wertschöpfungskette gerecht werden. Andererseits haben wir es mittlerweile geschafft, dass CmiA im preislichen Wettbewerb zu konventioneller Baumwolle bestehen kann.

Welches Feedback auf CmiA erhalten Sie von Mitarbeitern, Kunden und Medien?

Wir haben 2016 begonnen, unsere Mitarbeiterbekleidung auf CmiA umzustellen. Bis 2020 wird dies innerhalb Deutschlands vollumfänglich der Fall sein. Darüber hinaus unterrichten wir unsere Mitarbeiter mit Aktivitäten regelmäßig über CmiA. Nach außen informieren wir in unterschiedlichen Formaten und Anlässen über diese erfolgreiche Zusammenarbeit. Das Feedback intern wie extern ist durchweg positiv.

Sie verfügen über jahrelange Erfahrungen in der internationalen Textilbranche. Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Themas Nachhaltigkeit?

Die Nachfrage nach nachhaltigerer Baumwolle hat sich von der Nische in den Massenmarkt entwickelt. Auch CmiA hat hierbei seinen Anteil. Inhaltlich kam auch viel dazu: Waren es in den 1990er Jahren fast ausschließlich soziale Fragen, die uns beschäftigten, sind es heute zunehmend auch ökologische Themen, die es zu lösen gilt.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Viele. Sehr plakativ war ein weiteres Zeichen gegen Einwegplastik, als die REWE Group ab Frühjahr 2019 als erster Einzelhändler in Deutschland flächendeckend auf den Verkauf extrem kurzlebiger Plastikhalme verzichtete. Wir steigen zudem immer tiefer in die Supply Chain ein. Gutes Beispiel hierfür sind unsere Aktivitäten im Rahmen der Detox-Kampagne, mit der wir schädliche Chemikalien aus tieferen Stufen der Textilproduktion eliminieren und so zum Schutz der Ressource Wasser beitragen möchten. Außerdem sind viele Branchen- und Multistakeholder-Initiativen wie etwa das Bündnis für nachhaltige Textilien entstanden. Gemeinsames Engagement ist oft effektiver und effizienter als Einzelaktivitäten. Auch tragen wir dem steigenden Wunsch nach Transparenz Rechnung.

Begegnen Sie auch Herausforderungen bei der Implementierung von CmiA?

Sicher. Maßgeblich in Ländern, die selbst starke Produzenten von Baumwolle sind. Dort ist die Frage des Preises deutlich schwieriger umzusetzen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Wie soll die zukünftige Textilbranche aussehen?

Wir brauchen noch mehr Branchenlösungen und einen Schulterschluss der Marktteilnehmer bei der Umsetzung sozialer und ökologischer Anforderungen innerhalb der Wertschöpfungskette. Das gilt vertikal in der Lieferkette für Lieferanten und Produktionsstätten wie auch horizontal für die Zusammenarbeit von Unternehmen. Hierzu benötigen wir zunächst mehr Transparenz in den Wertschöpfungsketten. Um Rahmenbedingungen zu ändern, müssen Unternehmen außerdem mit der Zivilgesellschaft, mit Regierungen und Standardorganisationen zusammenarbeiten.