ISEAL versucht Klarheit in den Siegeldschungel zu bringen

31.07.2014

Gastbeitrag von Amy Jackson, ISEAL Alliance

ISEAL ist eine nicht-staatliche Organisation, deren Mission es ist, Nachhaltigkeitsstandards zu stärken, um Mensch und Natur zu schützen. Die Aid by Trade Foundation (AbTF) unterstützt diese Mission ISEALs und ist Teilnehmer der Gemeinschaft, deren Ziel es ist, den Einfluss von Standards weiter auf- und auszubauen. Als eine der größten Organisationen für nachhaltige Baumwolle nehmen Vertreter der Aid by Trade Foundation regelmäßig an ISEAL Treffen teil. Mit Experten und Vertretern anderer Nachhaltigkeitsstandards werden Themen wie die Weiterentwicklung der Standards, unterschiedliche Nachhaltigkeitsansätze sowie Auswirkungen von Nachhaltigkeitsstandards diskutiert. Ein zentrales Thema ist der Siegeldschungel, zu dem sich Amy Jackson, Senior Credibility Manager bei ISEAL, in unserem Gast-Blog äußert: 

„Aktuell können wir davon ausgehen, dass es sich definitiv um einen wachsenden Trend der Nachhaltigkeitsstandards und Zertifizierungen handelt. Dies verdeutlichte erst kürzlich die letzte Ausgabe des State of Sustainability Initiatives Review 2014. Demnach haben zertifizierte Güter von zehn Rohstoffen aus über sechzehn führenden Zertifizierungsprogrammen aktuell einen geschätzten Handelswert von USD 31,6 Mrd.(2012). Jedoch existieren darüber hinaus zahlreiche Standards und Zertifizierungsprogramme, von denen nicht alle vertrauenswürdig sind.

Die meisten Menschen orientieren sich an Umwelt- oder Prüfzeichen oder einer anderen Art von Nachhaltigkeitsbotschaft. Der Einkauf gestaltet sich oftmals verwirrend und ist eine Herausforderung, die ISEAL nun auf sich nimmt. Wir haben das Ziel, diejenigen zu unterstützen, die sich an Nachhaltigkeitsstandards beim Kauf orientieren oder diese interpretieren und voneinander differenzieren müssen – vor allem Käufer und NGOs, die diese Kunden beraten. Wir wollen ihre Fähigkeiten darin, durch diesen Dschungel zu navigieren, verbessern und sie darin schulen vertrauenswürdige Nachhaltigkeitsstandards im Vergleich zu denen, die Greenwashing betreiben, zu unterscheiden.

Wir nähern uns dieser Herausforderung auf zweierlei Weise: Auf der einen Seite entwickeln wir einen Good Practice Guide für Zertifizierungsprogramme; auf der anderen kreieren wir ein Navigations-Tool für Menschen, die die unterschiedlichen Labels verstehen möchten. Der Good Practice Guide soll eine internationale Referenz für jedes Zertifizierungsprogramm sein, um die jeweiligen Botschaften und Auslobungsprozesse zu stärken. Es wird entsprechende Bausteine ​​dafür liefern, um Botschaften zu verwalten und das Risiko von Ungenauigkeiten oder Verwirrungen zu reduzieren. Dazu gehören klare Richtlinien, wer bestimmte Botschaften kommunizieren und ein bestimmtes Label verwenden kann, sowie Verfahren zur Überwachung dieser Botschaften und des Umgangs bei Missbrauch.

Wir hoffen auch, den Dialog in bestimmten Schlüsselthemen anstoßen zu können. Dies könnte ein gemeinsames Verständnis darüber sein, was ein ‚umfassender Claim‘ (ist ein Logo alleine ausreichend?) und eine kontinuierliche Sprache in der Kommunikation zu zertifizierten Produkten ausmacht. Das Navigationstool wird eine benutzerfreundliche Möglichkeit für alle Beteiligten bieten, um fundierte Entscheidungen über Nachhaltigkeitssiegel zu treffen. Letztlich hoffen wir, dass es die Verbreitung von nicht-glaubwürdigen Botschaften reduziert. Es wird eine Art Raster sein, dass die Menschen durch die wesentlichen Fragen führt, die sie stellen müssen, wie bspw. „Welcher Anspruch wird erhoben“ und „Welche sozialen oder ökologischen Themen spricht ein Label an?“. Es ist wichtig, dass die Käufer, Einzelhändler, politischen Vertreter und viele mehr die Unterschiede zwischen den Labels verstehen, da einige die Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards und weitere strenge Kontrollen zur Grundlage haben, während es sich bei anderen vielleicht nur um Auszeichnungen zu Marketing-Zwecken handelt, ohne über ein dahinter stehendes Systeme zu verfügen.“